Sturm Und Drang - so heißt die neue, junge Metal-Generation aus Finnland! Und ihr Debütalbum "Learning To Rock" heizt gehörig ein und brennt wie Feuer! Dass die Jungs schon längst nicht mehr lernen müssen, wie man anständig rockt, beweisen sie auf ihrer Scheibe deutlich genug!
Was in der Sturm- und Drang - Zeit im 18. Jahrhundert Größen wie Schiller, Haydn, Mozart oder Goethe waren, sind in der Gegenwart die fünf Jungs aus Vaasa, Finnland: André Linman, Jesper Welroos, Alexander Ivars, Henrik Kurkiala und Calle Fahllund bilden die Metal-Band "Sturm und Drang". Sie sind rebellisch, jund, wild und stecken voller Energie, genau wie die alten Meister der deutschen Literatur! Doch ihre Vorbilder sehen definitiv ganz anders aus. Sie eifern Metal-Legenden wie Judas Priest und Black Sabbath nach, haben auf ihren Konzerten auch schon Coverversionen von Songs dieser Bands gespielt, die sehr gut ankamen!
Gegründet wurde Sturm Und Drang im Herbst 2004, als die Jungs alle gerade mal 12-13 Jahre alt waren! Und jetzt endlich, im Jahr 2007 liefern sie ihr Debütalbum "Learning To Rock". Elf energiereiche, rockige Tracks und zwei Videos erwarten einen nach dem Einlegen des Silberlings.
Das Cover und das Booklet haben die fünf Finnen recht schlicht gehalten. Das Cover zeigt den Band - und Albumnamen, und im Booklet finden sich die Texte der Songs und natürlich Danksagungen, alles in schicken dunkelblau-silbernen und schwarzen Farben. Die Fotos zeigen die Bandmitglieder in einer schulischen Umgebung: einer Art Schulkapelle und einer Sporthalle, was unschwer an den Sprossenwänden und Basketballkörben zu erkennen ist. Die zu einer Pyramide aufgebauten Verstärker in der Sporthalle, auf denen die Bandmitglieder sitzen oder von denen sie herunterspringen, fallen einem auch sofort ins Auge. Wenn man sich die Bilder anschaut, stellt man fest, wie verdammt jung diese Jungs doch tatsächlich sind, augenscheinlich kaum älter als 15-16 Jahre, und es ist nur schwer vorstellbar, dass sie tatsächlich gehörig rocken können, doch schon der erste Track auf dem Album beweist, dass sie durchaus dazu fähig sind!
Broken, so nennt sich der Opener von "Learning To Rock", und man wird von schnellen Gitarrenriffs in das Album eingeführt. Die Stimme von André Linman, dem Sänger der Band, erscheint überraschend erwachsen und gefällt sofort nach den ersten Sekunden. Der Refrain ist gängig, das Lied schwungvoll und auch das ziemlich gute Gitarrensolo macht den Song zu einem tollen Einstieg.
Der zweite Track, Talking To Silence beginnt erstmal ruhiger und hört sich an wie eine langsame Ballade, doch schon nach 40 Sekunden beginnt das Lied erst richtig mit einem überaus beeindruckenden, kurzen Gitarrensolo, und der Gesang wird wieder energisch. Dass der Refrain des Liedes bloß aus dem gesungenen Satz "Talking To Silence" besteht, ist mal erfrischend anders und klingt sehr gut. Zwischendrin wird es nochmal ruhiger, doch das wirkt eher wie eine kleine Überleitung zum eigentlichen Gitarrensolo, das einem glatt die Schuhe auszieht. Ich bin jedesmal erstaunt darüber, wie weit diese Jungs schon mit ihren musikalischen Fähigkeiten sind. Das Lied ist definitiv eines der besseren auf dem Album, und hat zusätzlich noch Ohrwurmpotenzial!
Auch Forever beginnt recht schnell und energisch, und im Refrain singt André zum Teil sehr hoch, fast Kopfstimme, was sich auch ganz gut anhört. Ein mitreißender und gut rübergebrachter Song.
Das nächste Lied ist nicht nur mein Favorit auf dem Album, es ist auch noch die erste Singleauskopplung. Am Anfang von Rising Son ist eine tiefe Stimme zu hören, die etwas unverständliches spricht, und schließlich setzt auch schon der imposante Gitarrenriff ein, gefolgt von einem noch ausgereifter klingendem Gesang von André. Der Refrain ist sehr gut und geht einem nur schwer wieder aus dem Ohr, aber im großen und ganzen kann man sagen, dass der gesamte Track Ohrwurmpotenzial hat. In der Mitte des Songs gibt es wieder gesprochene Sätze unterstrichen von leisen Tönen, bevor das mal wieder beeindruckende, schnelle und fingerfertige Gitarrensolo einsetzt, dass so manche Kinnlade herunterklappen lassen dürfte.
Track 5, The Raven klingt wie ein typisches Powermetal-Lied aus den guten alten Zeiten. Purer Metal mit hämmernden Drums, schnellen Gitarren und einem ziemlich guten Gesang. Auch das Gitarrensolo erinnert mich an 80-er Metal-Tracks, was ich sehr gelungen finde.
Das Indian eine Ballade ist, hört man schon an den ersten Gitarrenklängen am Anfang des Songs. Gefühlvolle Lyrics, und eine schön klingende Melodie kommen schließlich hinzu. Auch das Gitarrensolo ist diesmal nicht so schnell wie bei den anderen Songs, aber auch nicht weniger gut. Ein tolles, atmosphärisches Lied, auch wenn nicht unbedingt eindeutig klar wird, warum es "Indian" heißt.
"We're Learning To Rock" klingt es beim siebten Track aus den Boxen. Der wie das Album betitelte Song soll scheinbar zeigen, dass Sturm und Drang noch in der "Ausbildung" sind, da sie zwar offensichtlich musikalisch sehr weit sind, aber auch noch viel dazu lernen müssen. Aber wer muss das nicht? Zwar meinen sie es mit dieser Aussage ernst, aber die beeindruckenden Gitarrenriffs und das Solo zeigen, dass sie einfach nur sehr bescheiden sind. Man sollte sein Licht ja nicht unter den Scheffel stellen.
Der nächste Song, Fly Away ist wieder bestückt mit einem beeindruckenden Gitarrenriff, der sofort ins Ohr geht. Auch André singt hier wieder im Refrain etwas höher, allerdings hört sich das ein wenig kraftlos bzw. nicht ganz so energisch an, wie der restliche Gesang im Song, was ein wenig schade ist. Dennoch macht mal wieder das geniale Gitarrensolo alles wett und auch sonst ist das Lied ganz gut geworden.
Auch Mortals erinnert stark an einen typischen Rocksong aus den 80ern, was den Song sehr atmosphärisch macht, wie ich finde. Ein echter gute-Laune-Song mit optimistischen Lyrics und einem netten Refrain.
Ein leises Klavierspiel stimmt einen auf den zehnten Song des Albums ein. Miseria ist erneut eine sehr schöne Ballade mit einem kraftvollen, mitreißenden Refrain und einem sehr schönen Gitarrensolo, das einen beinahe nachdenklich stimmt, gerade weil es so gelungen ist. An diesem Song merkt man deutlich, dass die finnischen Jungs nicht nur energische, schwungvolle Songs sondern auch packende Balladen schreiben können, was ein wesentlicher Pluspunkt für sie ist.
Der letzte Song des Albums, Breaking The Law, ist eine Coverversion der legendären Band "Judas Priest", denen Sturm und Drang ja in gewisser Hinsicht nacheifern. Zwar kommt man nur schwer an die alten Meister heran, aber dennoch gelingt es der finnischen Band, den Song sehr gut umzusetzen. Er wirkt auch irgendwie kräftiger als das Original, dessen Veröffentlichung über 20 Jahre her ist.
Als zusätzlichen Bonus bekommt man, wenn man die CD einlegt, das Video von "Rising Son" zu sehen, und auch einen Pressekit, bei dem man so einiges über die Jungs von Sturm und Drang in einem interessanten Interview erfährt. Eine gute Idee!
Fazit: Man kann definitiv sagen, dass Sturm und Drangs Debütalbum "Learning To Rock" ein voller Erfolg ist. Es hat viele beeindruckende Songs mit tiefsinnigen Lyrics und einem tollen Gesang, aber das eindeutig am meisten gelungene an dem Album sind die atemberaubenden Gitarrensoli, die man niemals von einem 15-jährigen erwartet hätte. Man vergisst beinahe das Alter der Jungs, wenn man sich das Album anhört, und das ist ein großer Pluspunkt für die Band. "Learning To Rock" ist ein tolles Metal-Album, dass sowohl jung als auch alt gefallen dürfte. Die Jugend könnte sich gut mit den selbst noch sehr jungen Bandmitgliedern identifizieren, und die ältere Generation müsste sich an die guten alten Zeiten erinnert fühlen, als die legendären Metalbands selber noch jung waren! Sturm und Drang sind eine Band mit viel Potenzial, und wenn das Debütalbum bereits so gut ist, möchte ich gerne wissen, wie es mit der Band weitergeht, wie sie sich musikalisch entwickeln. Sie haben jedenfalls noch eine Menge vor sich, und man darf gespannt sein, was noch kommt! Weiter so!
Tracklist:
01. Broken
02. Talking To Silence
03. Forever
04. Rising Son
05. The Raven
06. Indian
07. Learning To Rock
08. Fly Away
09. Mortals
10. Miseria
11. Breaking The Law






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