Wenn Musik mehr ist als nur Musik, sondern der Weg zum sehen und verstehen der Welt um einen herum, dann könnte man WELLU ROWALTZ reden hören – denn er hat nicht den einfachen Weg gewählt, sondern ist durch 10 Jahre Musikunterricht gegangen, hatte seinen ersten Auftritt mit erst 14 Jahren…Und hat es jetzt mit seiner Band als Sänger geschafft (nicht nur dank seines Auftauchens in der finnischen Version von „American Idol“), die vielen verschiedenen Musikstile, die er in seiner Kindheit kennengelernt hat, in seine Musik einfließen zu lassen.
Los geht es mit “God For Rent” , was ich ein wenig verwunderlich halte, da es gleich zu Beginn einen eher eigenwilligen Klang präsentiert, den man keiner Musikrichtung komplett zuordnen kann – oder war gerade das der Grund, den so aussagekräftigen und flotten Song an Position Nummer 1 zu setzen? Gesanglich wird sofort klar, wie viel Potential in Wellu Rowaltz steckt, da seine Stimme schon hier sehr deutlich zeigt, wie wandelfähig sie ist, ohne erzwungen zu klingen und an Ausdruck zu verlieren. Musikalisch auch schon einmal ein Vorgeschmack, wie gut sich das Zusammenspiel von Musik und Gesang in den folgenden Songs präsentieren wird.
“Entropy” ist als nächstes an der Reihe und beginnt kurzzeitig mit verzerrtem Gesang, der sich dann aber recht bald in normalen Gesang verwandelt und auf Grund der musikalischen Untermalung recht schnell im Gedächtnis hängen bleibt. Gesanglich ein Song, der zwar seine Qualität hat, dem jedoch das gewisse Etwas in der Stimme oftmals fehlt und somit keine wirklich besondere Stimmung aufkommen kann, was sehr schade ist. Musikalisch auch nicht gerade der perfekte Song, aber auch hier ist alles harmonisch und stimmig, sodass dann als Gesamtbild gesagt werden kann, dass es ein runder Song ist, der auf Grund der Melodie und der eingängigen Lyrics punkten kann.
Schwächer als der Vorgängersong ist für meinen Geschmack “Good Add Vice” , da der Song oft sehr abgehackt und unrhythmisch wirkt, sowie der Gesang eher Mainstream als Einzigartigkeit präsentiert. Der Song ist zwar durchweg rockig und dürfte den Hörer an einige andere finnische Bands erinnern, jedoch fehlt der rote Faden im Lied, und auch die Überzeugungskraft des Songs fehlt mir weitgehend.
Ein Song, der eingängig ist, jedoch aber gleichzeitig Tiefgang hat, ist “One Step” - ganz ruhig mit akustischen Klängen und eher melancholischem Gesang beginnt es und schaffte es zumindest mir eine Gänsehaut zu erzeugen. Nach einem harten Schnitt geht es dann wesentlich rhythmischer und melodischer weiter und zumindest der Refrain hat dank Lyrics und komplettem Erscheinungsbild Ohrwurm-Potential, während die Strophen nicht minder gut gelungen sind, jedoch aber einfach nicht so leicht im Gedächtnis bleiben wollen. Ein wirklich gut gelungener Song, in dem bis auf den im Anfangsteil auftretenden so harten Schnitt alles rund und stimmig ist und zum Mitsingen fast schon einlädt.
“Day Called One” beginnt mit weichem weiblichem Gesang, bis dann recht bald der stockende und eher tiefe Gesang von Wellu einsetzt und teilweise von eben dem erwähnten weiblichem Gesang untermalt wird. So stockend wie der Anfang war, umso melodischer geht es weiter – der Refrain ist Melodie pur und wirkt weich und vielleicht sogar zerbrechlich, wenn auch unheimlich kraftvoll zur selben Zeit. Die darauffolgende Strophe passt schon wieder in das Schema, mit dem der Song schon begonnen wurde. Auch wenn die Übergänge von diesen beiden „Stilen“ nicht komplett rund gelungen sind, so passt es doch wirklich gut zusammen und gibt einen schönen Kontrast ab.
Darauf folgt dann “Greed” . Das Lied fängt recht simpel aufgebaut an, Rhythmus und Melodie sind überschaubar und der Gesang ist, auch wenn teilweise leicht elektronisch klingend, sehr gut verständlich und zur Musik passend, die sich nach und nach immer weiter entwickelt. Während die Strophen musikalisch eher wenig untermalt sind, so ist der Refrain zwar dezent, aber doch wesentlich mehr untermalt. Die Übergänge zwischen Strophen und Refrain sind mir teilweise ein bisschen zu ruckartig, aber ansonsten passen Gesang und Musik gut zusammen, hinterlassen aber dennoch keinen bleibenden Eindruck, was die Leistung angeht, auch wenn der Refrain sehr eingängig ist und man ihn recht schnell mitsingen könnte.
Mit weiblichem Zwei-Wort-Gesang beginnt “Sweet Alibis” , und diese weiblichen Stimmen tauchen auch im Verlaufe des Liedes immer wieder zwischen Wellu´s durchweg rockigem Gesang auf. Der Song gehört eindeutig zu der wirklichen Rockschiene, die kreischenden Gitarren, die harten Gitarrensoli, der raue Gesang – ein wirkliches Rocklied (der zumindest mich an Bloodpit erinnert), dem aber nicht die gewisse Portion Weiche und Eingängigkeit verloren hat. Ein bisschen störend finde ich jedoch die recht oft verzerrt klingende Stimme, denn die klar gesungenen Passagen sind wesentlich ausdrucksstärker und wären viel besser für den kompletten Song gewesen, was meinen Geschmack betrifft.
Weiter geht es mit “Na-Na-Nasty” (der Titel erinnerte mich zunächst einmal an einen Song namens „Fa-Fa-Fallen“ von der finnischen Band The Rasmus) – das Lied ist von Beginn an wirklich rockig wie es mit dem instrumentalen Gitarrenintro daherkommt und auch nach Einsetzen des Gesangs bleibt es so schwungvoll. Wellu´s Gesangsstimme ist in den Strophen verraucht und eher mystisch klingend, während es dann in den Strophen mit klarem Gesang weitergeht, was jedoch keinerlei Bruch mit sich zieht, da die Übergänge fließend sind und das ganze Lied, bis auf kurze Unrundheiten, rund wirkt. Im Großen und Ganzen zeigt der Song wieder einmal was für eine Brandbreite an verschiedenem Gesangsklang er zu bieten hat und das immer noch mit der richtigen Priese an Aussagekraft garnieren kann, um dem Song das gewisse Etwas zu verleihen.
“Numb” ist die erste Single des Albums, und lief somit auch im finnischen TV – und so begann mein Interesse für Wellu. Dieser Song ist und bleibt ein ganz typischer Ohrwurm, der aber neben eben dieser Fähigkeit auch noch Qualität hat. Von der ersten Sekunde an hat sein Gesang eine unheimlich große Ausdruckskraft und eine sehr gute Mischung aus rauem und softem Klang, der wunderbar zusammenpasst und sich auch jeweils in den ruhigeren und rockigeren Passagen gut abwechselt. Auch musikalisch ist der Song sehr gut gelungen, denn die Musik schafft es den Gesang nicht zu stören und ihn gut zu untermalen und teils auch zu unterstützen. Alles in allem die perfekte Wahl für eine Single, denn ein Song, der weder zu soft noch zu hart ist und mit einer solchen Stimme verbunden ist, kann nur die Aufmerksamkeit auf sich lenken!
Den Schlusspunkt setzt “Chains of Change” – ruhig und nachdenklich beginnt der Song, der tiefe Gesang erinnert eher an ein melodisches Sprechen, das leider teilweise von den Gitarrenklängen etwas in den Hintergrund gedrückt wird. Der Übergang zum etwas schnelleren Part des Songs geschieht etwas ruckartig, was aber im Großen und Ganzen kaum ins Gewicht fällt, da das Stück gesanglich einfach unheimlich gelungen ist und ein letztes Mal zeigen kann, wie wandlungsfähig eine Stimme sein kann, ohne künstlich oder angestrengt zu wirken. Wellu´s Gesang (und der dann einsetzende weibliche, sich immer wiederholende, Gesang) und die dazu sehr passende musikalische Untermalung kreieren eine Stimmung, die mich in Kombination mit den Lyrics, melancholisch werden lässt und ein wirklich guter Schlusspunkt des Albums darstellt.
Tracklist
1. God For Rent
2. Entropy
3. Good Add Vice
4. One Step
5. Day Called One
6. Greed
7. Sweet Alibis
8. Na-Na-Nasty
9. Numb
10. Chains of Change






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