ELYSION, mal wieder eine neue Gothic-Metal-Band, doch diesmal nicht aus dem eisigkalten Norden wie Finnland oder Norwegen, sondern aus Griechenland. Allein bei der Betrachtung des Covers kommen mir Assoziationen in den Sinn, die mich stark an EVANESCENCE erinnern und andere bisweilen bekanntere Bands dieses Genre und wieder einmal befürchte ich, dass mich mit diesem Album nichts Neues und bahnbrechendes in diesem (leicht überlaufenem) Genre erwarten wird.
Beginnen wir mit dem Track „Dreamer“. Eingeleitet durch ein Keyboardintro wird zunächst recht ruhig agiert, wobei sich das Tempo Richtung Refrain jedoch immer weiter beschleunigt. Das Gitarrenspiel wechselt zwischen ruhigerem, leicht akustisch anmutendem Zupfspiel in den Strophen und ordentlich Druck im Refrain. Der Gesang der weiblichen Sängerin ist verglichen mit anderen Vertretern dieses Genre allerdings recht tief gehalten, was aber weites gehend zur übrigen Instrumentalisierung passt.
Schon beim zweiten Track fühl ich mich bestätigt was den ersten Eindruck anging als ich das Cover betrachtete – sowohl in Songstruktur als auch im Gesang ähnelt „Killing my dreams“ von der ersten Sekunde an den Liedern der obengenannten Band EVANESCENE. Nach einer knappen Minute findet die Band dann aber noch zumindest zeitweilig ihren eigenen Klang ohne jedoch wirklich vollständig den ähnlichen EVANESCENE-Sound abzulegen. An für sich nicht schlecht, wirkt das Lied jedoch bedauernswerter weise wie eine Kopie.
Mit dem obligatorisch ruhig gehaltenem Eingeklimper gemischt aus Gitarre und Keyboard beginnt auch „Never forever“. Gesanglich wird jetzt auch im höhentechnischen Bereich etwas variiert, wobei der Gesang der Sängerin in tieferen Bereichen deutlich kraftvoller und ausdrucksstarker wirkt. Die Gesamtstimmung des Liedes wird durch die Keyboardphrasierungen aufgelockert und wirkt leicht sehnsuchtsvoll.
„Weakness in your eyes” beginnt instrumental mit reinem Klavierspiel, in dem sich nach und nach das ruhige, gedrosselte Schlagzeugspiel und die akustischen Klänge von Gitarre und Bass einfügen. Insgesamt wirkt das Lied recht melancholisch und traurig, nicht zu letzt durch den wehleidigen Gesang der Sängerin – jedoch auch hier wie im vorigen Lied schon geschrieben mit zunehmender Höhe auf Kosten der Ausdrucksstärke der Stimme. Gut gelungen ist das etwa mittig platzierte kurz Gitarrensolo. Mit diesem Lied ist ELYSION ein vernünftiger balladenhafter Song gelungen.
Ähnlich balladenhaft beginnt auch „Don't say a word” – der phasenverschobene Gesang wirkt im Vergleich zur vorheriger Gesangvorgehensweise etwas abwechslungsreicher. Allerdings kann das Lied während seines ganzen Verlaufs nicht wirklich überzeugen, sondern wirkt allenfalls durchschnittlich, als ob man ihn irgendwo schon einmal gehört hätte.
Mit gedämpften Instrumenten wird in „The rules” gestartet, welches sich bezüglich der Songstruktur zumindest anfangs von den bisherigen Lieder deutlich abheben kann. Innerhalb des Tempos wird nun sowohl instrumental als auch gesanglich mehr experimentiert und gespielt. Die Bridge wirkt zwar etwas abgehakt, aber dennoch trübt es nur ein wenig den recht positiven Eindruck, den ich gewann.
Weiter geht’s mit „Bleeding” – das wie schon einige Lieder zu Anfang irgendwie keinen eigenen, noch nicht dagewesenen Charakter entwickeln kann. Ich möchte der Band wirklich keine Kopieversuche vorwerfen, nur entwickelt sie zu wenig eigenen, für sie typischen Charakter, der sie von deren Bands des Genre unterscheiden würde, sodass man sie klar heraus hören würde und als ELYSION wiedererkennen würde.
Deutlich orchestraler und epischer beginnt „Walk away“, dessen Intro viel Wert auf instrumentale Ausdrucksstärke gelegt hat und somit einen ganz eigenen, vorhin noch vermissten Charakter entwickelte. Diese Eigenart bezüglich der Spielart wird das ganze Lied über weites gehend aufrecht erhalten, so dass dieses Lied zu einer meiner Favoriten des Albums wurde, zumal der teils abgedämpfte Gesang dem Lied eine zusätzliche Würze verleiht und mehr Ausdrucksstärke erzeugt wird.
Sehr verstellt und verzerrt beginnt „Loss” – allerdings nur für kurze Zeit. Danach wird wieder ordentlich Druck hinter den Saiten aufgebaut. Positiv fällt die Eingängigkeit des Refrains auf, vor allem textlich und gesanglich bedingt. Gelegentliche Keyboardeinwürfe komplimentieren ein rundum gelungenes Bild des Songs, der durchaus eines der ausdrucksstärksten des Albums darstellt.
Mit reinem Gesang von Klavierspiel begleitet beginnt „Far from the edge“ – ein durch und durch ruhig und langsam gehaltenes balladenhaft, melancholisches Stück, das nur im Refrain mit vornehmlich elektronischen Elementen arbeitet. Allerdings fehlt mir auch hier für eine wirklich wieder erkennbare Ballade, die im Gehörgang hängen bleibt, das „gewisse Etwas“.
Zuletzt noch „Erase me”, das längste Lied des Albums. Mit verzerrtem Bass- und Gitarrenklängen wird eingeleitet, gefolgt von der ebenfalls gedämpft bis verzerrten Gesangsstimme, der weniger Gesang, mehr Gerede ist. Bis zur zweiten Minute wird deutlich mehr Wert auf die Instrumentalisierung gelegt als auf gesanglich arrangierte Elemente. Ab diesem Zeitpunkt verfällt die Band in ihre gewohnte Liedstruktur zurück, um gegen Ende wieder zur Struktur des Beginns zurückzukehren und so den Kreislauf zu schließen.
Tracklist
1. Dreamer
2. Killing my dreams
3. Never forever
4. Weakness in your eyes
5. Don't say a word
6. The rules
7. Bleeding
8. Walk away
9. Loss
10. Far from the edge
11. Erase me






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