SCHÖNGEIST, das ist eine Münchener Formation um Sänger Timur Karakus, haben dieses Jahr die Deutsche Musikförderung für ihr interkulturelles Schaffen erhalten. Wie sich eben dieses interkulturelle Dasein auf die Musik und auch auf die Lyrics auswirkt, erfahrt ihr hier!
Los geht es mit „Auge um Auge“, in dem zu Beginn die Mischung aus eher orientalischen Klängen und rockigem Sound sehr einladend auf den Hörer wirkt. Sehr ausdrucksstark und in einen Bann ziehend, so wirkt der Gesang, der sehr gut von den musikalischen Elementen unterstützt wird. Während die Strophen eher unauffällig und ruhig von der Musik untermalt werden, so ist der Refrain umso mitreißender und rockiger.
Weiter geht es zeitweilig ein bisschen elektronischer und mit mehr rohem Rockklang bei „Keine Zeit“. Während die Strophen zum Zuhören einladen, so wirkt der Refrain leider an einigen Stellen etwas eintönig und monoton. Auch passt für meinen Geschmack der permanent leicht elektronische Klang der Instrumente nicht ganz zum Gesang von Timur.
Ein bisschen an EISBRECHER erinnert „Sonne der Nacht“ – ob es am Text liegt oder am Gesamtbild des Songs, das kann ich nicht sagen. Aber dieser Vergleich ist durchweg positiv, denn der Song ist wirklich gut gelungen: ein runder Klang und eine mitreißende Melodie, die gut zum sehr starken und wandelbarem Gesang passt. Dies ist ein Lied, das einem länger im Gedächtnis bleibt! Einen Remix gibt es von diesem Song auch noch, der meiner Meinung nach aber bei Weitem nicht so aussagekräftig ist und viel zu hektisch wirkt.
Bei „Halbmondfinsternis“ hat dann nun EISBRECHER-Sänger Alexx Wesselsky mit SCHÖNGEIST zusammengearbeitet – und das ist bei Weitem nicht das einzige Stück, wo der Herr seine Finger im Spiel hatte. Dieser Song jedoch beginnt mit orientalischen Klängen, die sich dann schnell mit einem schweren rockigen Klang vermischen und eine interessante Kombination ergeben. Sehr zum Nachdenken anregend und interessant wird hier die „Kopftuch-Thematik“ behandelt und soll der heutigen Generation zeigen „was aus euch geworden ist und was ihr aus dem gemacht habt, wofür die Türkei seit Atatürk doch eigentlich steht“, so Sänger Timur.
„Nie mehr allein“ beginnt mit einem Liedteil, der sich nach Seemannsgesang anhört und dementsprechend auch untermalt ist. Durchweg ruhig, melancholisch und berührend ist dieses Stück, das davon handelt, wie man sich fühlt, wenn man sich von all den Leuten, die einem wichtig waren, entfernt hat. Symbolisiert wird diese Person von einem Seemann, der zu weit auf die See hinausgefahren ist – daher auch die Seemann-Atmosphäre, die sich stimmig durch das ganze Stück zieht.
Auf einer ganz anderen musikalischen Schiene geht es dann mit „Ganz oder gar nicht“ weiter: elektronische Klänge begrüßen den Hörer, vermischen sich dann aber schnell mit gitarrenlastigem Rock-Klang. Von Beginn an ist der Song nicht nur positiv eingängig und lädt recht schnell zum Mitsummen ein, sondern auch mitreißend auf Grund des starken Gesangs und der abwechslungsreichen Untermalung.
„Schalt ein! Schalt aus!“ schließt sich dann gut an den VorgängerSong an, rein klanglich. Einmal mehr wird sofort zu Beginn des Liedes klar, dass es um eine Kritik an der Gesellschaft und am montonen Leben handelt. Auch wenn die Lyrics dann doch eine gewisse Spannbreite an Interpretationsspielraum lassen, ist der Song überzeugend : gesanglich abwechslungsreich und musikalisch rund, so ist ihnen ein positiv eingängiger aber nicht im Gedächtnis bleibender Song gelungen.
Sehr interessant beginnt „Der Gral“ – und genauso geht es dann auch weiter. Zunächst mystisch und düster klingt es, dann wird auch recht schnell klar, dass es sich hier um ein Instrumentalstück handelt. Auf mich wirkte der Song einschläfernd, monoton und bei Weitem nicht so vielseitig und abwechslungsreich wie alle anderen bisherigen Stücke- daher würde ich das Lied eher als eine Schwachstelle des Albums betiteln, auch wenn keinerlei grobe Übergänge oder Ähnlichen zu hören waren.
„Nur mich“ hat einen wirklich schönen, instrumentalen und orientalischen Beginn, der dann auch recht gut mit den anderen dazukommenden Rock-Instrumenten harmoniert. Auch die leicht elektronisch angehauchten Klänge, die im Verlauf dazu stoßen, zerstören die aufgebaute Atmosphäre nicht, sondern bereichern sie. Gesanglich eine solide Leistung, auch wenn dieser zeitweise in den Instrumenten etwas unterzugehen scheint und nicht die volle Aufmerksamkeit auf sich lenken kann. Im Großen und Ganzen ein abwechslungsreicher Song, der zumindest mich einmal mehr mitgerissen, aber auch zum Nachdenken eingeladen hat.
Recht düster wirkte „Heiler“ auf mich – der Gesang, meist wesentlich dunkler als zuvor und auch elektronisch verändert wirkend, wurde mit einer Musik gemischt, die an so einigen Stellen schwer und düster klingt. Der Refrain wirkt schon fast beschwörerisch und hat den Effekt, dass er sehr gut im Gedächtnis bleibt.
Wesentlich ruhiger und melancholischer geht es dann mit „Du“ weiter. Es ist ein Song, bei dem der langsame und doch sehr kräftige und ausdrucksstarke Gesang immer im Vordergrund steht und von eher gleichförmiger Musik (bis auf die instrumentale und eher orientalisch angehauchte Passage) untermalt wird und eine gute Mischung kreiert. Dies dürfte ein Stück sein, mit dem sich jeder identifizieren kann und ein Song, der Erinnerungen aus dem eigenen Leben zum Leben erwecken kann.
Nach einem Album, dass bis zu diesem Song komplett auf Deutsch eingesungen wurde, kommt jetzt mit „Sugar Sugar (US Version)“ ein Song daher, der nicht ganz ins Konzept passen will, auch wenn er es textlich tun würde. Das Einzige, was hier punkten kann, sind die wenigen aber dennoch existenten orientalischen Einflüsse. Alles in Allem also ein Song, der nicht überzeugen kann – nicht zuletzt weil halbwegs stöhnende Damenstimmen eher nicht in den Song passen und sehr überflüssig erscheinen. Trotzdem ist es ein Song, der im Gedächtnis bleibt – ob nun positiv oder negativ, das hängt sehr stark vom Geschmack des Hörers ab.
Den Schlusspunkt setzt mit „Wenn ich es nur wüsste“ ein eher flottes und swingendes, aber leider recht kurzes Lied. Dennoch ist es ein sehr fröhlicher und heiterer Abschluss des eher mit Kritik befüllten Albums. Gut gelungen!
Tracklist:
1. Auge um Auge
2. Keine Zeit
3. Sonne der Nacht
4. Halbmondfinsternis
5. Nie mehr allein
6. Ganz oder gar nicht
7. Schalt ein! Schalt aus!
8. Der Gral
9. Nur mich
10. Heiler
11. Du
12. Sonne der Nacht (MCC Dusk Version)
13. Sugar Sugar (US Version)
14. Wenn ich es nur wüsste






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