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Moderne Zeiten Hot

 
Moderne Zeiten
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CD Rezension

Artist / Band UNHEILIG
Release Date 22. 01. 2006
Label Soulfood
Label URL http://www.soulfood-music.de/

Die Städte sind gefallen und wurden Eins. Fortschritt bestimmt das Dasein. Menschen wurden zu Nummern und Angst zu  ihrem Antrieb. Freie Gedanken, Lust und Liebe unterliegen der Zensur. Millionen gehen diesen Weg vom Anfang bis zu ihrem Ende. Wirst auch du diesen vorgegebenen Weg gehen, oder gehörst du zu denen, die sich erheben in diesen modernen Zeiten?

Die Städte sind gefallen und wurden Eins. Fortschritt bestimmt das Dasein. Menschen wurden zu Nummern und Angst zu ihrem Antrieb. Freie Gedanken, Lust und Liebe unterliegen der Zensur. Millionen gehen diesen Weg vom Anfang bis zu ihrem Ende. Wirst auch du diesen vorgegebenen Weg gehen, oder gehörst du zu denen, die sich erheben in diesen modernen Zeiten?

So beginnt der neue Silberling von Unheilig. Leicht unwohlige Gänsehaut verbreitet sich, während man sich im Inneren eines Uhrwerkes zu befinden scheint. Dann hebt es ab, das „Luftschiff“, gesteuert vom Grafen, ohne Gewissheit, wo seine Passagiere wohl ankommen werden...und ob es ein Ziel gibt, werden wir im Laufe der Platte erst entdecken.

„Moderne Zeiten“, befasst sich mit allen Facetten mit dem Element, das niemand aufzuhalten vermag. Erinnerungen treffen auf Zukunftswünsche während man einfach den Augenblick genießen möchte. „Luftschiff“ befasst sich mit Letzterem. Der Song ist ruhig und hat dennoch eine treibende Kraft inne, welche den Wunsch erweckt tatsächlich auf Reisen zu gehen. „Ich will Alles“ hingegen, reißt den Passagier vom Sitz, denn E-Gitarren finden hier ungewöhnlich viel Einsatz. Vermischt mit EBM-lastigen Tönen bringt es Beine zum Zucken - das könnte ein herrlicher Tanzflächenfüller sein! Das einzige was hier stört, ist die Aussprache, denn „manchmal“ wird hier zu „manschmal“... Ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht, aber nun gut, dem Rest des Graf´ischen Werkes tut es keinen Abbruch. Mit Streichern beginnt der Pilot seine Suche nach den „Goldenen Zeiten“. Sehr autobiographisch kommt der Song daher, und ich bin mir sicher, das nicht nur der Urheber des Textes einige Erinnerungen dabei hochkramt. Ein Gefühl von „vermissen“, macht sich im Herzen breit, während der Graf immer wieder fragt, wo denn nun die Zeiten geblieben sind, in denen man noch glücklich und unbeschwert in den Tag leben konnte, ohne eventuelle Folgen des Handelns analysieren und abwägen zu müssen. Und dann liefert er prompt eine Antwort, aber bitte hört es euch selbst an!

Schnitt.....

Rockig und wieder E-Gitarren beladen geht es mit „Helden“ weiter. Ein Appell an das Innere des Hörers sich einfach nach einer Niederlage zu erheben und vorwärts zu gehen, Mauern einzureißen und einfach zu leben. Im Anschluss geht es in eine Welt außerhalb der Unseren, nämlich in den Weltraum, wo Zeit in ganz anderen Dimensionen existiert. „Astronaut“ ein sehr ruhiges Pianogetragenes Stück, wird nun nach Abstimmungen auf der Homepage auch die nächste Single-Auskopplung. Es scheint ein wenig wie eine Liebeserklärung, innerhalb einer traurigen Geschichte, in der zwei Herzen so nah beieinander doch niemals zueinander finden können. Es macht melancholisch, nachdenklich und sogar etwas traurig wenn man sich die Mühe macht ganz genau hinzuhören. Nur gut das man sich danach wie der „Phoenix“ wieder erheben kann, ein Song der wieder etwas flotter und vorantreibender wirkt. Im Leben gibt es für nichts eine Garantie, dennoch ist es kein Grund stehen zu bleiben und zu resignieren, ist Stillstand doch oft das Ende von Allem. „Lass und Liebe machen“ ist ein Titel, der irgendwie gar nicht zum thematischen Inhalt des Albums passen will, aber wenn man einfach mal um Ecken und Kanten denkt erkennt man den Zusammenhang schon recht deutlich. Hier geht es um die erste Liebe, die Erinnerungen die damit verbunden sind, Gefühle die zum ersten Mal in einem spürbar werden und die man so nie wieder ohne Vergleiche oder Bedenken erleben wird. Die Symbolsprache dieses Liedes ist einfach wunderbar, sie lässt soviel Platz für eigene Gedanken. Aber bevor ich hier noch mehr bedeutungsschwangeres Zeug daherrede und ihr euch nichts drunter vorstellen könnt, der Song ist rockig, tanzbar, ja er ist typisch Unheilig eben. Auch „Horizont“ ist ein Stück von dieser Machart. Gitarren gepaart mit EBM-Anteilen. Ein bisschen des Inhalts können wir schon im heutigen Zeitalter wiederfinden, aber ich denke hier geht es mehr darum, was in Zukunft mit dem Planeten Erde und dessen Bewohnern geschehen wird. Absolute Tristesse, kein Platz mehr für Eigenheiten und keine Zeit mehr um sich einfach mal Gedanken zu machen, denn monoton wie die Zeiger einer Uhr werden auch wir irgendwann nur noch funktionieren, statt zu leben.

Wer sich noch an „Herz aus Eis“ aus Zelluloid-Zeiten erinnern kann, und diesen Song genauso liebt wie ich, wird auch den modernen „Sonnenaufgang“ lieben. Es scheint mir etwas merkwürdig, klingt der Text doch eher nach einem Sonnenuntergang. Dank ruhiger Melodien durch Piano und Streicher erschafft dieses Stück wunderbare Bilder im Kopf. Wohliger Schauer macht sich bei der sanften Stimme des Grafen breit, man könnte das Gras, die Luft und die Ruhe förmlich riechen! Und als wenn das noch nicht genug wäre, wird jeder, der die Reise bis hier hin bereitwillig mitgemacht hat ins „Gelobte Land“ geführt. Genau wie der Vorgänger besticht es durch romantisch verspielte Melodieführungen und einen wunderschönen Text. Und auch hier kann ich nur sagen, um zu erfahren wo und wie ihr das gelobte Land finden könnt, müsst ihr euch dieses wunderschöne Album einfach anhören, den Gedanken freien Lauf lassen und begreifen....

Achtung, denn jetzt kommt noch einmal ein letzter harter Schnitt...“Menschenherz“ ist elektronisch fordernd mit einem ganz besonderen Inhalt. Schon einmal darüber nachgedacht, dass das Herz tatsächlich ein kleines Uhrwerk ist, das oft schneller als der Sekundentakt schlägt (wenn ihr gesund seid *hehe*)? Eine kleine Maschine, die trotz allem so zerbrechlich ist... und wenn ihr einmal geduldig den Schlägen zuhört rinnt soviel Zeit vorbei, die sich nie wieder zurückholen lässt...irgendwie schließt es (für mich persönlich) wunderbar an „Mein Stern“ an, ein Stück, das eine Hommage an eine wunderschöne Frau darstellt, mit der Hoffnung, das gemeinsame Momente doch ewig halten mögen. Wieder sehr Streicherbeladen, sanft und liebevoll, bereitet es den Passagier auf das Ende der Reise vor, welches aber eigentlich nie kommen wird. „Moderne Zeiten“ klingt mit dem gleichnamigen Titel aus. Noch einmal werden traumhafte, mysteriös angehauchte Gedankenwelten erschaffen, gesanglose Melodien die aus einer Spieluhr stammen könnten bevor man sich zurück in das große Uhrwerk begibt. Und da plötzlich fiel es mir auf...die Reise wird ewig so weitergehen, denn das Ende von „Moderne Zeiten“, stellt den Anfang von „Das Uhrwerk“ rückwärts dar....

Fazit:

„Moderne Zeiten“ ist ein wunderbares Konzeptalbum, das voller Ideen steckt die gehört und weiterverbreitet werden möchten. Es wurde bereits angekündigt, das diese Scheibe noch autobiographischer als sein Vorgänger „Zelluloid“ werden sollte und ich denke, diesmal ist es gelungen auch Erinnerungen und Gedanken der Hörenden hervorzulocken...

Freiheit, Zwang und die Zeit die uns bleibt werden hier einfach grandios thematisiert und umgesetzt. Auch Stillstand lässt sich anmerken, denn Unheilig klingen wie sie immer klingen. Das ist, wie ihr beim Lesen vielleicht gemerkt habt nicht als Kritik zu werten, denn bei Unheilig bedeutet es gleichbleibend hochwertige musikalische Unterhaltung ;)

Diese Rezension ist natürlich meine ganz persönliche Definition des Inhaltes und mit großer Wahrscheinlichkeit werdet ihr ganz andere Bilder vor Augen haben als ich, aber ich kann euch nur ans Herz legen etwas Zeit aufzubringen, um „Moderne Zeiten“ zumindest einmal Gehör zu schenken...

Tracklist:

01. Das Uhrwerk
02. Luftschiff
03. Ich will Alles
04. Goldene Zeiten
05. Helden
06. Astronaut
07. Phoenix
08. Lass uns Liebe machen
09. Horizont
10. Sonnenaufgang
11. Gelobtes Land
12. Menschenherz
13. Mein Stern
14. Moderne Zeiten

Autoren Bewertung

Fazit

Gesamtbewertung: 
 
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Yes No
Geschrieben von Xardas
January 01, 2009
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