|

Gegen Nachmittag machten wir uns von Köln auf nach Mülheim an der Ruhr, zum Castle Rock 11. Ohne Stau und ohne Verfahren fanden wir den Weg zum Schloss Broich, wo das Castle Rock statt fand. Um es vorweg zunehmen – das Schloss Broich konnte als Kulisse für ein Festival richtig überzeugen mit seinem heimisch, familiären Charakter...
Lest weiter!
BERICHT: Katharina
FOTOS: Carina
Angekommen suchten wir uns erst einmal einen Parkplatz, was gar nicht so einfach war, denn der Parkplatz war über eine Stunde vor Einlass doch schon recht gefüllt, so dass wir uns auf ein gut besuchtes Festival freuen konnten.
Ohne Probleme erhielten wir Fotopass und Einlass zum Festival und genossen die halbe Stunde bis zum Beginn noch, um erste Impressionen von Fans, Kulisse und Musik zu Gemüte zu führen. Alles passte soweit, kein Regen, gut gelaunte Fans, wenn auch noch recht wenige und auch schattige Plätze, an denen man sich zurückziehen konnte aus der prallen Sonne und sich kurz abkühlen konnte. Dann ging es auch bald los.
Der Tag wurde mit der Band THE FLAW eröffnet. Musikalisch konnte die Band meiner Meinung nach weites gehend überzeugen: Gitarre und Bass waren gut abgemischt, so dass die Gitarre nicht durch das Bassspiel unterging und der Gesang der Sängerin konnte über weite Strecken überzeugen. Allerdings waren die Reaktionen und die Begeisterungsfähigkeit des Publikums noch etwas verhalten bis teilweise gar nicht vorhanden, zu Anfang wurde nur sehr vereinzelt auf die Animationsversuche der Band reagiert und selbst da mit wenig Elan, was wirklich schade war, da die Band sich sichtlich Mühe gab.

Die Pause zwischen THE FLAW und HEIMATÆRDE wurde neben dem obligatorischen Soundcheck vor allem für die aufwendige Bühnendekoration genutzt. Als dann HEIMATÆRDE die Bühne betraten sah man ihnen an, dass auch sie sich passend zur Bühnendekoration hergerichtet hatten. Rein musikalisch gesehen konnte mich ihr Auftritt aber leider keineswegs überzeugen – aber Musikgeschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ein Großteil des Publikums war auf jeden Fall zu begeistern und machte nach der Äußerung „Wir singen hier nicht zum Spaß, wir wollen feiern!“ auch mehr und mehr mit.

Mit dem Auftritt von MEGAHERZ wurde ich dann schlagartig aufs Vollste begeistert und nicht nur ich. Von Anfang an herrschte im Publikum gute Stimmung, die Band hatte einen richtig guten Draht zum Publikum. Was die Band mit „Wahnsinnskulisse“ beschrieb, bringt es genau auf den Punkt – ein voll auf begeistertes, headbangendes Publikum, das lautstark mitsang und eine Wahnsinnsatmosphäre mit Gänsehautfaktor erschuf. Auch der EISBRECHER-Sänger und ehemalige MEGAHERZ-Sänger Alexander „Alexx“ Wesselsky lies sich während des MEGAHERZ-Auftritts immer mal wieder am Fenster blicken und schaute zu. Ein ganz besonderes Highlight stellte die Klavierversion von „5. März“ da, die alle sichtlich bewegte. Insgesamt gelang es der Band sehr gut alte und neue Lieder zu kombinieren, so dass für jeden etwas dabei war und allen der Auftritt sichtlich Spaß machte.

Als letzter Punkt des Tages trat EISBRECHER auf – zwar mit über einer halben Stunde Verspätung, aber dies konnte die Euphorie nicht im Geringsten drücken. Immer mehr Fans, die anfangs noch etwas abseits standen sammelten sich vorne vor der Bühne und fieberten dem Auftritt der Band entgegen. Als die Band dann die Bühne betrat gab es kein Halten mehr, begeisterte Fans feierten ihre Band und unterstützend sie aufs Äußerste. Allerdings fand ich anfangs die Songauswahl nicht ganz so gelungen, nicht schlecht, aber sie konnte mich nicht so begeistern wie die abwechslungsreiche Mischung von MEGAHERZ. Wie auch schon bei MEGAHERZ, wurde auch bei EISBRECHER sehr deutlich geäußert, dass ein Festival auf dem beide Bands spielen richtig Spaß macht, da man sähe wie die Band, die man früher einmal war, sich auf der Bühne macht. Sichtlich begeistern entließen EISBRECHER die Fans in die Nacht, die sich auf den morgigen Tag schon richtig freuten.

Mit wenig Schlaf ging es ran an den zweiten Tag des Castle Rock und nicht nur wir schienen noch etwas schlaftrunken – auch die schon anwesenden Fans waren noch recht unenthusiastisch (ob das an Schlafmangel oder erbarmungslos scheinender Sonne lag sei mal dahingestellt).
Und so unenthusiastisch blieb der Eindruck auch beim Auftritt der ersten Band am heutigen Tag: EDEN WEINT IM GRAB. Auch die Band verbreitete einen weites gehend apathischen Eindruck, mit wenig Elan absolvierten sie ihr Programm, dementsprechend auch die Reaktion oder vielmehr eher Nichtreaktion des Publikums, das sich teilweise lieber noch ein Bier gönnten als sich die Band anzuschauen. Neben ihrem Auftreten konnte mich auch ihre Musik nicht wirklich überzeugen. Zu Beginn der Lieder wurde mehr mit Backing-Tracks gearbeitet als mit der eigenen Musik, die Songs waren recht eintönig und der Gesang wirkte monoton, so dass sich für mich die Spielzeit der Band Bedauernswerterweise in die Länge zog.

Das Gegenteil zeichnete sich bei SEELENZORN ab. Die Band agierte wesentlich spielfreudiger und agiler auf der Bühne, integrierte das Publikum, war kommunikativer und auch kontaktfreudiger als die vorangegangene Band, so dass sie beim Publikum wieder Interesse wecken konnte.
Teils entstanden lustige und humorvolle Interaktionen zwischen Band und Publikum. So wurden die Zuhörer aufgefordert sich hinzusetzten und als dies nur bei einer Minderheit passierte, reagierte einer der Sänger prompt und ließ verlauten, dass seine Autorität auch mal besser gewesen sei, was einige, nicht zu letzt mich zum Schmunzeln brachte.
Musikalisch waren SEELENZORN sehr ansprechend. Die Songs waren sehr abwechslungsreich und ausdrucksstark, nicht zuletzt dadurch, dass SEELENZORN mit drei Sängern auftrat, die sich perfekt ergänzend und harmonierten.

Mit voranschreitender Zeit füllte sich Schloss Broich zunehmend, so dass THE VISION BLEAK vor größerem Publikum spielen konnten als noch die beiden ersten Bands des Tages. Die Band bemühte sich, agierte größtenteils sehr agil und wollte animieren. Dies gelang auch größtenteils, doch manche sprach die Musik einfach nicht an, so auch mich nicht, da die Gitarren unter dem Bass untergingen und der Gesang leider kaum zu verstehen war.

Nach der obligatorischen Pause für die Umbauarbeiten auf der Bühne, die die teils schon verschwitzen und sonnengeplagten Fans und Pressemitarbeiter nutzen konnte etwas Kühles zu trinken oder sich an eine schattige, kühle Stelle zurückzuziehen bevor es weitergehen sollte, traten KRYPTERIA auf.
Noch voller Energie und Elan sprühte dagegen die Band und das von der ersten Sekunde an. Vor allem Sängerin Ji-In Cho machte einen starken Eindruck mit ihrer ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Als sie in einem aufwändigen, schönen weißen Kleid mit Schleier auf die Bühne trat wurden allerdings erst einmal eifrig die Kameras gezückt, anstatt sich der Musik zu widmen. Zum zweiten Lied hin, gab es erst einmal Verwirrung, da Bassist Frank Stumvoll begann Ji-In Cho aus ihrem Kleid wie ein Bonbon auszuwickeln – hervor kam ein komplett neues Outfit.
Das Outfit veränderte sich zwar, allerdings nicht die Spielfreude und die Energie, die die Band versprühte. Mit abwechslungsreichen Songs und einer gesanglich überzeugenden Leistung wartete die Band auf und konnte die Audienz begeistern. Das Publikum reagierte mit lang anhaltendem Applaus und Geklatsche. Mich überzeugte vor allem die Kombination des Gesangs der Sängerin und des Bassisten und Gitarristen, da dies live einen gelungenen Kontrast darstellte.
Allerdings zog sich der Auftritt der Band für mich gegen Ende etwas in die Länge. Nach Ende ihres Auftritts nahm sich die Sängerin allerdings noch Zeit für Fragen der Fans, Konversation und Autogramme. Auch brachte sie das, was die meisten dachten gut auf den Punkt, da sie uns fragte: „Wie haltet ihr das in dieser Hitze eigentlich aus?“.

Für viele der Fans war die Antwort auf diese Frage wohl: „Wir warten auf unsere Lieblingsband“ und für einige war dies wohl auch MONO INC., was sich anhand der Publikumsreaktion ablesen lies. Für die Fans gab es kein Halten mehr, die Begeisterung nahm freien Lauf. Die Interaktionen mit dem Publikum waren gekonnt, es wurde zusammen gesungen und das recht lautstark, geklatscht und der Sänger Martin Engler bewies Sinn für Humor als er der Menge erklärte, dass sie nach ihm singen sollten und es auch keinen Rabatt am Merchandise-Stand gäbe, wenn sie vor ihm sängen.
Positiv fiel der Dank an den Veranstalter auf, da hier gesagt wurde, dass das Castle Rock auch jungen unbekannten Bands eine Chance gäbe zu spielen – hier kann ich mich nur anschließen!
Mich überzeugten sie musikalisch zwar nicht vollkommen, da es zu Anfang etwas monoton war, aber die Mehrheit konnte nicht genug kriegen von MONO INC. und forderten eine Zugabe, die sie auch bekamen.

Etwas verhaltener war die Euphorie zu Beginn von DIARY OF DREAMS – für mich völlig unverständlich, da sie musikalisch einfach nur sehr überzeugten. Die Stimme des Sängers Adrian Hates überzeugte durchweg, war sehr gut zu verstehen und erzeugte Gänsehautatmosphäre. Im Laufe des Auftritts begeisterte sich auch das Publikum zunehmend und bei „Traumtänzer“ war die Begeisterung nicht mehr zu halten, lautstark sang (fast) das ganze Publikum „Wirst du mich nie verstehen? Wirst du denn nie verstehen? Hast du noch nie gesehen wie meine Augen glitzern?“ – ein wahrlich beeindruckender und packender Moment für Band und Fans, so dass auch hier, verständlicherweise eine Zugabe gefordert wurde.

Dann folgte das Abzählen der Minuten, das große Warten auf LETZTE INSTANZ, deren Auftritt sich um fast eine Stunde verzögert hatte. Doch dann kam der langersehnte Augenblick – die Jungs von LETZTE INSTANZ betraten die Bühne und wurden lautstark umjubelt. Von der ersten Sekunde an waren die Fans voll da und hoch auf begeistert und auch mich begeisterte die Band einfach nur. Bis auf eine Ausnahme, die ich dann doch recht bedauernswert fand: Durch das Violinenspiel ging das Cello von Benni teilweise komplett unter, was nicht nur rein musikalisch schade war, sondern auch keineswegs dem gerecht wurde, was Benni auf der Bühne geleistet hat, nämlich einen enorm ausdrucksstarken und nur so vor Spielfreude strotzenden Auftritt.
Leicht irritiert war ich auch von der Anwendung von Pyrotechniken beim ersten Lied, da wir gerade mal 21 Uhr hatten und es noch nicht wirklich dunkel genug war, um auch voll zur Geltung zu kommen. Allerdings wurde zu späterer Zeit, genau genommen beim letzten offiziellen Lied, noch einmal mit Pyrotechnik gearbeitet (auch von Bandmitgliedern selber!) und diesmal kam diese richtig gut zur Geltung und war ein gelungener Kontrast zur einbrechenden Dunkelheit.
Rein musikalisch gesehen gab es bis auf oben genanntes nichts zu kritisieren – die Mischung der Songs war durchaus gelungen und die Stücke selber alle mit Elan und Spielfreude vorgetragen.
Die Kommunikation und Integration des Publikums in die Show war ebenfalls klasse. So wurden zum Beispiel zu „Wann“ die Männer aufgefordert den linken Arm zu heben und zu schwenken und die Frauen sollten „das andere Links“ benutzen, was in den ersten Sekunden sichtlich zu Verwirrungen führte bei manchen und zur allgemeinen Erheiterung des Publikums beitrug.
Während der Zugabe gab die Band noch einmal alles, mitten in „Rapunzel“ legten Cellist Benni und Violinist Rico Schwibs noch eine Stagedivingaktion hin. Aber das war noch nicht alles, nein die Band hatte noch etwas in petto. Wer während eines 23-minütigen Stück die Arme die ganze Zeit oben halten konnte, wurde eingeladen anschließend noch ein Bier von der Band ausgegeben zu kriegen. Dass dies gar nicht so einfach ist wie’s klingt erfuhren wir am eigenen Leib – aber erstaunlich viele Fans haben die Zähne zusammen gebissen und durchgehalten, so dass die Band sicher einige Biere auszugegeben hatte.

Fazit: Zwei Tage lang ein im Großen und Ganzen sehr schönes Festival genossen, mit guter Musik, begeisterten Fans, mit wunderschöner Kulisse – was will man mehr??? Das Castle Rock ist zwar ein noch relativ kleines Festival, hat aber eine angenehm, beinah familiäre Atmosphäre und es fehlte einem an nichts.
Ein zusätzliches Lob möchte ich noch an den Veranstalter richten, da ein extra erhöhtes Potest auch den Besuchern im Rollstuhl die Möglichkeit gab ihre Bands zu sehen und zu genießen. Leider kommt dies noch relativ selten vor – an dieser Stelle dickes Lob an das Castle Rock!
Die Geschichte des Castle Rock geht also weiter – nächstes Jahr definitiv auch wieder mit mir!
|